Tai chi hat seinen Ursprung innerhalb dieser alten „QI-Arbeit“. Im Taichi wird vor allem der Aspekt des Bewegungsflusses, fließende, ruhige Qi – Qualität in Bewegung, gefördert. Das natürliche Bewegen im Taichi fasziniert, weil es sanft und weich, aber trotzdem stark und kraftvoll ist. Die wichtigsten Faktoren im Lernen sind wiederum Bewegung, Vorstellung, Atmung und Kontemplation. Nach und nach, durch kontinuierliches Lernen versteht man das Zusammenspiel all dieser Ebenen, die eine freie Bewegungsentwicklung im Taichi erst ermöglichen. Diese Faktoren werden sowohl in Kampfkunst / Partneranwendungen, als auch in freie „Bewegungskunst“ übertragen.

Die wohl bekannteste Legende rund ums Taichi

ist die Geschichte des Mönches Chan San Feng. Dieser daoistische Mönch lebte im 12.Jahrhundert am sagenumwobenen Wudang Berg. Eines Taqes, so die Legende, beobachtete er den Kampf eines Kranichs mit einer Schlange und wurde durch dieses fließende Ineinander von Bewegung, Angriff, Verteidigung, Weichheit und Stärke, spontan angeregt, die Gesetzte des Yin und Yang auf die Kampfkünste zu übertragen. Durch diese intuitive Einsicht begann er eine „innere Kampfkunst“, welche er mit Taichi benannte, zu entwickeln.

Eine zweite Ursprungsgeschichte bezieht sich
auf den Begriff des Taichi

der übersetzt soviel bedeutet wie „das Höchste“. Eine „höchste Dynamik“ die sich auf das Wechselspiel des Yin und Yang im Universum bezieht. Mittels dieser höchsten Dynamik lassen sich die Fähigkeiten des menschlichen Körpers/Geistes über ihr gemeinhin angenommenes Potential hinaus entwickeln. Das Wissen um die Entwicklung dieser inneren QI- Kräfte geht in dieser Deutung eher als philosophisches Wissen/Können auf tausende Jahre chinesische Kultur zurück. Way Sun Liao betont in seinem Werk: „die Essenz des Taichi Chuan“, dass dieses Wissen von der chinesischen Herrschaftselite sowohl geschätzt als auch missbraucht, vernachlässigt und auch korrumpiert wurde. Das Wissen jedoch hätte sich, so Liao, innerhalb der chinesischen Geschichte immer gezeigt.


Ein altes Gedicht über Taichi

zeigt, so denke ich, recht gut die blumige metaphorische Sprache dieser Kunst.

Meine Kunst bahnt neue Wege
Sie kräftigt alle Sehnen und füllt jeden Knochen mit einem wunderbaren Geist.
Ruhig wie ein Leopard sich duckt bevor er angreift,
springt sie in wallenden Wogen wie ein Drache,
Ihr Chi bildet einen langen Regenbogen,
der die Sonne berührt und die ganze Welt in seinem Bauch verschlingen möchte.
Sie befiehlt dem Wind und den Wolken, lässt Drachen und Schlangen vor Angst erbleichen.
Die Kraft dieser Kunst schallt über den Himmel hinaus.
Von weitem schon erspürt, wie der Mensch Blitz und Donner wahrnimmt,
atmet sie den himmlischen Odem, der das ganze Universum umhüllt.
In dem großen Brennofen ihres Feuers werden alle Geschöpfe neu geformt,
Himmel und Erde neu geschaffen.

Wang Xiang Zhai, 9Jh n. Chr.