Die Spuren des Wissens auf welche sich ein Qi Gong/Taichi Übender begibt, reichen bis in die daoistischen Strömungen alter chinesischer Kultur zurück. Im 6. – 3. Jahrhundert v. Chr. erlebte die daoistische Philosophie neben der bei weitem bedeutsameren konfuzianischen „Gesellschaftslehre“, einen nie wieder erreichten Aufschwung, welcher sich in vielen Aufzeichnungen und Schriften niederschlug. Bekannt sind vielleicht die „Klassiker“ des Lao Tsu (Daodejing) oder des Zhuang Zhu oder auch des Ge Hong. Die Schriften des legendären „gelben Kaisers“, ein Klassiker der chinesischen Medizin, werden jedoch oft schon um ca. 2000 v. Chr, bzw. noch früher datiert.

Daoistisches Wissen

Die große kulturelle Leistung dieser daoistischen „DenkerInnen“ war m. E. eine prozesshafte Sicht, oder vielleicht besser ausgedrückt – eine ganzleiblich erfühlte Sicht der Welt zu entwickeln. Eine erfühlte Sicht der Welt, die nicht im „Spekulativen“ endet, sondern in ein komplexes entitätisch-konkretes Heilwissen mündet. Die alten DaoistInnen haben sich sozusagen auf die Erforschung subtilster Prozesse der Natur spezialisiert. Dieses Wissen bezieht sich auf die Wechselwirkungen der „Naturgesamtheit“ und auf das Phänomen „QI“, das in diesem Kulturkontext jedes Leben bedingt, aufbaut und durchdringt. Da QI jedes Leben bedingt – und aus diesem Fließen sich jedes weitere „Leben“ (heraus)entwickelt, wird verständlich dass QI in dieser alten Lehre zugleich entitätisches Fließen als auch ein „Prinzip“ darstellt. Als „Produkt“ dieser alten „Forschungen“ hat z. b. die chinesische Medizin mit ihren Beschreibungen des QI-Systems im Menschen, mit all seinen Energiebahnen /Zentren/Wechselwirkungen nunmehr ja auch in der westlichen Medizin seine Gültigkeit gefunden.

mehr dazu: Alexandra Tschom (heute Gusetti): Qi Gong und Taichi. Alte Wege neu beschreiten, Theseus, 2008.