Meditation

Warum praktizieren Menschen seit vielen Jahrhunderten Meditation? Warum versuchen Menschen seit tausenden von Jahren in ihr „Innerstes“ einzudringen, an einen Ort des Bewusstseins, der scheinbar ursprünglicher, echter sein soll, als jenes Denken, jene alltägliche Selbstwahrnehmung, die uns vertraut ist. Interessant scheint mir vorab auch, dass selbst Menschen, die keine Meditation praktizieren, zumeist eine bestimmte Vorstellung davon haben, was Meditation ganz allgemein bedeuten könnte.

Ob in christlicher Meditation, im Yoga, im Zen oder in der Praxis des Qi Gong (in Bewegung und in Ruhe) begegnet uns Meditationspraxis rund um die Welt. Die Art und Weise ist im jeweils kulturellen Erscheinungsbild völlig unterschiedlich. Immer aber lernt der / die Übende/n innerhalb ihres/seins  „Tuns“ eine Art ruhige, stille und unverkrampfte Bewusstseins-Präsenz zu „kultivieren“. Hat unser Bewusstsein gelernt präsenter und aufmerksamer zu sein, kann sich nach und nach ein Erleben von spontaner „Selbst-Vergessenheit“ einstellen. Ob in bewegter-, energetischer- oder in atemzentrierter Meditation – diese Selbst-Vergessenheit nennt man kontemplative Erfahrung. Sich „selbst zu vergessen“ bedeutet in diesem Zusammenhang tatsächlich unser „kleines Selbst“ zugunsten erweiterter Präsenz und intuitiver Erkenntnis „zu vergessen“.

Jede meditative Praxis anerkennt, dass kontemplative Erfahrung mehr als rationale Selbstreflexion bedeutet und vielfältiges, über unser alltägliches Ich hinausgehendes Erleben zulässt. (Transzendenz). Man betritt einen  Erkenntnisraum, der einen unterscheidenden Geist zurücklassen kann, um in ein grundsätzliches weites Eingebunden-Sein in Welt-Leben-Kosmos etc. zu münden. Ein meditativer Geist ist im besten Fall ein in Präsenz geschulter Geist, wach, offen und weit!

Für mich ist meditative Praxis auch ein Beitrag, die Schönheit im Leben, die Schönheit im Anderen, in unserer umgebenden Welt  „sehen“ zu können, sich der heilsamen Erfahrung eines lebendigen Hier und Jetzt zu öffnen.

Achtsamkeit

Achtsamkeit ist Aspekt und Fokus jeder Meditationspraxis. Die Haltung der Achtsamkeit kultiviert ein unfragmentiertes, wertfreies, nüchternes Gewahren von allem-was-ist. Den Fokus der Achtsamkeit zu praktizieren, kann helfen uns selber / Welt / Leben … zu betrachten, ohne zu beschönigen, zu überhöhen oder auch unterzubewerten und vor allem, ohne all das sofort „anders“ haben zu wollen. Achtsame Praxis ermöglicht im besten Fall sich zu öffnen, dem Leben klarer und gelassener zu begegnen, bzw. selbstverständlicher Teil davon zu sein /zu werden.
Achtsamkeit entlässt uns allerdings nicht in ein immerwährendes „sein-lassen“, sondern verhilft im besten Fall zu ruhigeren „Erkenntnissen“, die ehrliche Haltungs-   und Handlungsspielräume ermöglichen.

Meditationspraxis kann helfen ein zeitgemäß so wichtiges, verantwortungsvolles „Mitten-in-der-Welt“  lebendig werden zu lassen. Meditation und die Haltung der Achtsamkeit sind allerdings kein „Training“, sondern eine Praxis, die Nichts von außen Auferlegtes sein kann. Oft scheint es allerdings schwer, akzeptieren zu können, dass es sich um einen längeren Prozess handelt und nicht um ein schnelles Erlernen einer neuen, besseren oder effektiveren „Technik“.

Heiterkeit und Tiefe

Es bedarf der Zeit, der Muße, still und ruhig zu werden, sich im Anschauen zu üben und sich nicht beirren zu lassen. Neben all dem therapeutischem Effekt, heißt dies ganz einfach auch zu lernen, sich an etwas erfreuen zu können, ohne es sofort Haben zu wollen, ohne Vergleich, ohne Bewertung. Ein entscheidender Gedanke ist, dass genauso wichtig wie die sehr heilenden Aspekte auch das Verweilen im Genuss dieser Praxis ist.

Meditation und Achtsamkeit lehrt uns in vielschichtiger Erfahrung dass Heiterkeit und Tiefe sich verbinden